Glaubhafte
Täuschung:
Die
New York Times und der Angriff auf den Sudan
Von Jared Israel
Berichten die Massenmedien über
Ereignisse im Ausland einigermaßen zuverlässig? Oder berichten sie
so, wie die Regierung der USA es haben möchte?
Vor einem Jahr haben die USA
eine Fabrik in Sudan mit Cruise Missiles angegriffen. Die US-Regierung
behauptete, dass a.) die Fabrik Nervengas hergestellt habe und b.) dem
islamischen Fundamentalisten Osama bin Laden gehöre, der laut USA
hinter den Sprengstoffanschlägen gegen zwei US-Botschaften in Afrika
stecke.
Wir werden nun überprüfen,
wie die New York Times, die meistrespektierte Zeitung der USA, über
diesen Bombenüberfall berichtet hat. In unserer Untersuchung werden
wir versuchen, fünf Techniken der Verdrehung von Tatsachen
nachzuweisen:
*
Präsentation als Selbstverständlichkeit
*
Bevorzugung/Benachteiligung durch Placierung
*
Etikettierung
*
Suggestion
*
Weglassung
Wenn Sie das lesen, denken Sie
daran, dass wir Geschöpfe der Sprache sind: Worte beeinflussen unsere
Stimmung augenblicklich, und wir glauben eine Geschichte und legen
unser unterschwelliges Misstrauen beiseite, vertrauen dem Verfasser,
akzeptieren seine Logik. Wenn ein als objektiv empfundener
Medienbericht seine Einseitigkeit nicht zu sehr übertreibt – oder
wir nicht schon selbst die einseitige Sichtweise als für uns richtig
übernommen haben – neigen wir dazu, ihn zu glauben.
Hat die New York Times “Alle
Neuigkeiten, die gedruckt werden können” im Fall der Attacke gegen
den Sudan zuverlässig berichtet? Oder hat sie gelogen?
Technik
Nr. 1: Präsentation als Selbstverständlichkeit
Manchmal gehen Medienberichte davon
aus, dass die Angaben der US-Politik wahr sind und behandeln solche
Angaben als gegebene Tatsachen statt als politische Äußerungen. Ich
nenne das Präsentation als Selbstverständlichkeit, wie etwa im Satz
„Wir betrachten diese Wahrheiten als selbstverständlich“ zum
Ausdruck kommt.
Am 20. August 1998 jagte die
US Navy mit 75 Cruise Missiles in die Luft, was Präsident Clinton
bezeichnete als:
“… in
Beziehung zu Terroristen stehende Anlagen in Afghanistan und Sudan.”
(NY Times
21.8.1998, S. a12)
Zur Rechtfertigung des
Angriffs auf Sudan sagte der Präsident:
Unsere Streitkräfte griffen auch eine Fabrik in Sudan an, die
zum (terroristischen) Netzwerk bin Ladens gehört. Die (Shifa-) Fabrik
produzierte Materialien zur Herstellung chemischer Waffen. (a.a.o.)
Die NY Times vom 21. August
verwendete buchstäblich hunderte Zeilen für Zitate und Kommentare
von Regierungsvertretern und verschiedenen ungenannten Kreisen, die
sich für die Bombenüberfälle aussprachen. Hier ein Beispiel:
“Bin Laden hat finanzielle Zuwendungen an den sudanesischen
militärisch-industriellen Komplex gemacht,” sagte ein höherer
amerikanischer Geheimdienstvertreter heute, “zu denen auch, wie wir
glauben, die pharmazeutische Fabrik Shifa gehört.” (NY
Times, 21.8., S.11)
Das war also die offizielle
Rechtfertigung der USA. Was hat nun die NY Times gemacht? Wie hat sie
über die Sache berichtet? Wie hätte sie berichten sollen?
Wenn
die USA das Opfer gewesen wären
Was, wenn der Sudan gegen die USA
Cruise Missiles abgefeuert hätte? Was würden wir von einer
sudanesischen Zeitung erwarten?
Etwa das:
- Sie
sollte die sudanesische Attacke auf die USA nicht einseitig
darstellen, damit sich die Leser eine eigene Meinung bilden
können;
- Sie
sollte die Rechtfertigungen der sudanesischen Regierung
analysieren und fragen: „Entsprechen sie der Logik?“ und „Entsprechen
sie den Tatsachen?“
- Sie
sollte über die Opfer auf Seite 1 berichten;
- Sie
sollte die Gegenargumente an prominenter Stelle placieren, nicht
nur die der US-Regierung, von der ohnehin jeder erwarten würde,
dass sie dagegen ist, sondern auch die von sudanesischen Kritikern.
Hat die NY Times diesen Standards
entsprochen?
Am 21.8.1998 hatte die NY
Times folgende Schlagzeile auf Seite 1:
U.S. CRUISE
MISSILES TREFFEN TEILE EINES TERRORISTISCHEN NETZWERKS IN SUDAN UND
AFGHANISTAN
Jeder überfliegt Zeitungen.
Studien zeigen, dass Schlagzeilen oft alles sind, was Leute lesen und
daher auch alles, an das sie sich erinnern. Deswegen sind sie sehr
wichtig.
Stimmt etwas nicht mit dieser
Schlagzeile?
Um damit zu beginnen – sie
setzt schon einmal viel voraus.
Sie setzt voraus, dass ein
weltweites terroristisches Netzwerk existiert. Sie setzt voraus, dass
die pharmazeutische Fabrik in Sudan dazugehört. Anders gesagt, sie
setzt voraus, dass die Rechtfertigung der US-Regierung stichhältig
ist. Sie hält US-Argumente für selbstverständlich. Aber ist nicht
die Stichhältigkeit dieser Argumente genau das, was die NY Times
eigentlich untersuchen müsste?
Wir werden uns später noch
mit der Schlagzeile beschäftigen.
Schauen wir uns aber einmal
den Text des Artikels an. Hier Absatz 3:
Mit 74 Cruise Missiles, die nahezu gleichzeitig in
nichtsahnenden Ländern auf zwei Kontinenten explodieren sollten, war
diese Operation der furchterregendste jemals durchgeführte
militärische Angriff der USA gegen einen privaten Financier des
Terrorismus. (NY Times 21.8.1998, S.1, Hervorhebung durch uns)
Mit dieser Feststellung (dass das ein
großer militärischer Angriff war) setzt die NY Times wieder die
Richtigkeit der US-Position voraus (dass die Shifa-Fabrik Teil einer
privat finanzierten terroristischen Organisation war).
In einem anderen Artikel
treibt die Begeisterung der NY Times für die Argumente der Regierung
geradezu poetische Blüten:
Die zweifache Attacke (auf Afghanistan und Sudan) bildete
gewissermaßen das Spiegelbild zu den Anschlägen (auf die Botschaften)
in Ostafrika. Obwohl durch Meere geteilt, haben die Ziele ihre
Beziehung zu Mr. Bin Laden gemeinsam. (auch dort, S. A 10,
Hervorhebung durch uns)
Die Position der Regierung wird so
nebenbei gebracht, wie man etwa eine allgemein bekannte Tatsache
erwähnen würde. Beweise braucht es in diesem Falle nicht.
Und die
Gegenstimmen?
Die NY Times vom 21. August 1998
beschäftigt sich zum überwiegenden Teil mit diesem Bombenüberfall.
Behandeln einige Artikel - oder auch nur ein Artikel - die Kritik an
der US-Aktion?
Kaum. Während hunderte
Textzeilen die Überfälle unterstützen, lässt die NY Times die
Opposition in Absatz 20 eines Artikels auf Seite 13 unter dem Titel
“Lange Feindschaft zwischen USA und Sudan kocht über“ zu Wort
kommen.
Ghazi Salaheddin, der (sudanesische) Informationsminister
sagte, die Fabrik sei vor zwei Jahren in Betrieb gegangen und habe
nichts außer Medikamenten produziert. „Es ist ein Verbrechen“,
sagte er. „Es gibt keine Rechtfertigung für diesen Überfall.“ (NY
Times, 21.8.98, S.A13)
Das ist alles. Seite 13,
Absatz 20. Garantiert nicht schon die Placierung eine kleine
Leserschaft?
Und sogar diese kleine
Erwähnung, unauffällig placiert, zitiert einen offiziellen Vertreter
des Sudan, einen Mann, von dem jeder von vorne herein annimmt, dass er
einen Angriff auf Sudan ablehnen würde, sei er gerechtfertigt oder
nicht. Außerdem wird in der NY Times vom 21. August die sudanesische
Regierung lang und breit beschuldigt, sie unterstütze den Terrorismus.
Wie ernst wird ein Leser nach einer so aufwendigen negativen
Beeinflussung auch nur irgendeine Stellungnahme eines Mitglieds einer
solchen Regierung nehmen?
Eine
Umfrage, über die nicht berichtet wurde
Eine Gallup-Umfrage am 22.
August 198 ergab, dass 19% der amerikanischen Menschen gegen die
Bombardierung und 16% unsicher waren. Man könnte sagen, dass das
Ergebnis nicht gerade erfreulich für die Kriegsgegner war: wenn die
Erhebung stimmte, unterstützten 2/3 der Bevölkerung Clinton. Man
kann das aber auch anders sehen. Bedenken Sie, dass die Medien nie
über den Gegenstandpunkt berichtet haben und trotzdem
38% Clinton nicht unterstützt haben. Stellen Sie sich vor, um
wie viel stärker die Opposition gewesen wäre, wenn die Menschen
beide Seiten gehört hätten.
Die NY Times hat übrigens nie
über diese Gallup-Umfrage berichtet. In der Tat ergab eine eingehende
Suche im Internet die Veröffentlichung dieser Umfrage in nur einer
Zeitung in den USA. Wollen Sie wissen, welche es war? Nein, nicht
Washington Post oder Boston Globe oder San Francisco Chronicle. Es war
die Fresno Bee.
Fresno Bee, Wächterin der
Demokratie. Überprüfen Sie selbst: 23. August 1998.
Unkritische
Kritiker
Das Wort “Kritik” findet
sich auf Seite 1 der NY Times vom 21. August 1998. Der entsprechende
Artikel berichtet, dass die Republikaner im Kongress nicht gegen die
Bombenangriffe sind. Er trägt die Überschrift: „Kritiker
unterstützen die Aktion des Präsidenten.“
Ist ein politischer “Kritiker”
nicht jemand, der dagegen ist oder zumindest eine Aktion hinterfragt?
Durch die Verbindung des Wortes „Kritiker“ mit der Unterstützung
für Clinton vermittelt die NY Times den Eindruck, dass niemand gegen
die Bombenüberfälle sei. „Siehst du, Liebling? Sogar die Kritiker
sind in dieser Sache auf der Seite Clintons.“
Ein Experte am
Rande
Einige wenige heimische Kritiker
fanden ihren Weg in die Seiten der NY Times, aber nicht früher als
drei Tage nach dem Überfall und auch nur in die Leserbriefspalten.
Hier ein solcher Brief:
Kein Staat hat das Recht, Vergeltung durch einen bewaffneten
Angriff gegen ein anderes Land zu üben ... Auch hat kein Staat das
Recht, Geschosse auf ein Land abzufeuern, von dem er glaubt, dass es
Terroristen beherberge ... Präsident Clintons abgedroschene
Versicherung, der Bombenüberfall sei dadurch gerechtfertigt, dass
Afghanistan und Sudan sich mehrfach geweigert hätten, US-Forderungen
nach der Ausweisung von Osama bin Laden und anderen nachzukommen,
schlägt dem Fass den Boden aus ... Das wirkliche Opfer (dieser
Überfälle) war eine Welt, in der Gesetze gelten, und die für Akte
der Gewalt Verantwortlichen vor Gericht gestellt und nicht einfach
umgebracht werden. (James C. Hathaway, Professor für Völkerrecht,
Universität von Michigan, NY Times, 23.8.1998, Seite A14)
Warum konnte die NY Times die Meinung
dieses Völkerrechtsexperten nicht auf Seite 1 bringen? Gab es eine
Entscheidung der NY Times, abweichende Meinungen nicht zu bringen?
Hätten
sie es auch richtig machen können?
Natürlich hätten sie können
Zum Beispiel hätte die NY
Times folgende Schlagzeile drucken können:
Clinton verteidigt
Bombenangriff – Kritiker greifen Staatsterrorismus an
Dann hätten sie Ansichten von
beiden Seiten präsentieren können. Wäre das nicht fair gewesen?
Hätte das nicht andere Auswirkungen auf die öffentliche Meinung
gehabt?
Weltweite
Opposition
Innerhalb von zwei Tagen war
Clintons Erklärung unter Beschuss.
Hunderte Millionen Menschen
rund um die Welt lehnten die Bombenangriffe als verbrecherische Gewalt
ab.
Sudanesische Gegner von Osama
bin Laden und islamischem Fundamentalismus waren wütend. Zum Beispiel
Abdulrahman Abuzayd, ein Gegner der fundamentalistischen sudanesischen
Regierung:
“Als Sudanese bin ich wütend … O.K., wir haben Probleme
mit dieser Regierung. Aber diese lösen wir selbst. Jetzt sind die
Amerikaner gekommen und haben ihr eine große Spritze verpasst ...“ (NY
Times, 23.8.98, S.11)
Und betreffend Osama bin
Laden:
“Die Amerikaner haben plötzlich einen Moslemhelden aus ihm
gemacht, vor einer Woche wurde er noch für eine fanatische Nuss
gehalten.” (a.a.o.)
Ein anderer wohlbekannter
Gegner der sudanesischen Regierung sagte:
Ein Anwalt des Besitzers der bombardierten pharmazeutischen
Fabrik sagte in einer Pressekonferenz, dass die Fabrik ausschließlich
Salah Idrisee, einem sudanesischen Geschäftsmann gehöre ... Der
Anwalt Gazi Suliman, der hier als Mitglied der politischen Opposition
wohlbekannt ist, sagte es wäre „Unsinn“, dass Mr. Bin Laden
Investor in dieser Gesellschaft sei. Er sagte, die sudanesische
Regierung habe keine finanziellen Interessen an dieser Firma, die nur
Medikamente für den menschlichen und veterinärmedizinischen Gebrauch
hergestellt und über 50% des heimischen Marktes versorgt habe. Die
Bevölkerung in Sudan wird nun ohne eine lebenswichtige medizinische
Versorgungsquelle dastehen, sagte er ... Mr. Suliman rief die
internationale Gemeinschaft auf, ein Untersuchungskomitee zu bilden,
das ermitteln solle, was die Fabrik erzeugt hat. „Wir werden die
Ergebnisse akzeptieren“, sagte er. (a.a.o., Hervorhebung durch uns)
Versuch
einer neuen Erklärung
Clintons Team wurde also in den
Führerbunker vergattert und am 25.8.1998 verkündete die Schlagzeile
auf der Titelseite der New York Times:
USA
sagen, dass Irak die Produktion chemischer Waffen in Sudan
unterstützt hat – Bagdads Rolle ausschlaggebend für Angriff
Sehen Sie selbst die ersten drei
Absätze:
Die USA vermuten, dass irakische Wissenschafter behilflich
waren, Bestandteile des Nervengases agent VX in der Fabrik in Sudan
herzustellen, die amerikanische Cruise Missiles in der vergangenen
Woche zerstört haben, sagten heute Vertreter von Regierung und
Geheimdienst. Als Beweis dafür, dass dieser Angriff gerechtfertigt
war, wurde heute eine Bodenprobe präsentiert, die vor Monaten geheim
in der Umgebung der Shifa-Fabrik entnommen worden war, sagten die
Beamten. Die Regierung hat sich öffentlich geweigert, diesen Beweis
genau zu beschreiben oder bekanntzugeben, wie er beschafft worden ist.
Die seltene Chemikalie würde zwei weitere Arbeitsschritte erfordern,
einer davon sehr kompliziert, bis sie zu VX würde, einem der
tödlichsten bekannten Nervengase und der chemische Stoff namens Empta
wäre industriell nicht verwertbar.
USA und UNO sind sich schon lange darin einig, dass der Irak große
Erfahrungen in vielen Arten der Erzeugung von VX besitzt. (NY Times,
25.8.1998, Seite 1, Hervorhebung durch uns)
Dieser Artikel ist in mehrfacher
Beziehung lehrreich:
Erstens gibt es immer noch
keine Antwort auf die Beschuldigung, dass die Bombenangriffe illegal
waren. Die NY Times ignoriert einfach diesen Standpunkt, der
wahrscheinlich von den meisten Menschen auf der Welt einschließlich
Millionen Amerikanern eingenommen wird.
Zweitens bringt der Artikel,
abgesehen von einer aus der Luft gegriffenen Behauptung über Iraks
„Erfahrungen“ bei der Herstellung von VX-Nervengas, keinerlei
Beweis betreffend „Bagdads Rolle“. Er bekräftigt einfach eine „Vermutung“
der USA (ohne zu sagen, wer an dieser festhält), dass irakische
Wissenschafter „behilflich“ waren, in der Shifa-Fabrik Nervengas
herzustellen. Das ist Gerüchtehandel, mehr nicht.
Drittens, wenn die “Rolle
Bagdads” wirklich der Grund für den Angriff war, warum haben
Clinton und alle anderen diese erst fünf Tage nach dem Überfall
erwähnt? Und was ist aus der ursprünglichen Begründung, der
Verbindung zwischen der sudanesischen Regierung und bin Laden geworden?
Wie kann sich die Begründung nach der Tat ändern? („Euer Ehren,
mein Klient glaubt, dass seine Aussage die Jury nicht überzeugen
konnte, er möchte sie daher fallen lassen und dafür eine neue
versuchen.“)
Und warum kommentiert die NY
Times nicht diesen Versuch, die Geschichte neu zu schreiben?
Viertens – einmal mehr
behauptet die NY Times einfach, dass die Shifa-Fabrik chemische Waffen
hergestellt hat. Kein Beweis.
Fünftens präsentiert die NY
Times die Behauptung der Regierung, die Chemikalie Empta hätte keinen
möglichen kommerziellen Nutzen, als wäre das eine bewiesene Tatsache.
(Eine weitere Selbstverständlichkeit.)
Aber jetzt zurück zum Artikel.
Im Absatz sieben schwenkt dieser von der „Rolle Bagdads“
unvermutet zu einem ganz anderen Thema: einem Disput in der UNO:
Die USA haben die Forderungen des Sudan und anderer Länder
zurückgewiesen, ihre Beweise (für die Produktion von Nervengas in
der Shifa-Fabrik im Sudan) vorzulegen. Der UNO-Weltsicherheitsrat
stellte ein Ansuchen von arabischen Nationen, vorgebracht von Kuwait,
einem der engsten Verbündeten der USA, den Schutt in Khartum nach
Spuren von chemischen Stoffen, die mit VX zu tun haben zu untersuchen,
zurück. „Ich sehe nicht, was für einen Sinn eine solche
Untersuchung haben sollte“, sagte Peter Burleigh, der amerikanische
Vertreter in der UNO nach der Sitzung. „Wir haben glaubhafte
Informationen, die den Angriff, den wir auf diese Fabrik in Khartum
gemacht haben, gänzlich rechtfertigen.“ (a.a.o.)
Ist das nicht ziemlich
erschreckend?
Erstens einmal, was hat ein
UN-Bericht in einem Artikel über Gerüchte über eine Beteiligung des
Irak zu suchen?
Zweitens – ich weiß nicht,
wie Sie das sehen, aber ich musste das zweimal lesen, um mich zu
vergewissern, ob es wirklich sagt, was es sagt. Die Regierung der USA
besteht nicht nur auf ihrem Recht, ihre Geschosse überall hin zu
schicken, wo sie will, wenn sie behauptet, „glaubhafte Information“
über eine Verbindung zum „Terrorismus“ zu haben, sondern sie
weigert sich auch, eine unabhängige Untersuchung darüber zuzulassen.
In anderen Worten, die
Regierung der USA sieht sich selbst als Ermittler, Verfolger, Richter,
Henker und oberstes Gericht für internationale Angelegenheiten.
Erstaunlich.
Je mehr sich der Artikel in
die Länge zieht, desto mehr Leser fallen aus. Durch die Placierung
des UN-Berichts im siebten Absatz gewährleisten die Herausgeber der
NY Times, dass er weniger Leser hat, als wenn sie ihn im ersten Absatz
behandelt hätten. Ein Beispiel für Benachteiligung durch Placierung.
Was hat hier wirklichen
Neuigkeitswert?
Das Gequatsche über die “Rolle
Bagdads?”
Oder die harte Tatsache, dass
sie die USA weigern, den Sicherheitsrat die sudanesische Fabrik
untersuchen zu lassen?
Durch die Placierung des
Bagdad-Tratsches über der UNO-Geschichte erreicht die NY Times zwei
Sachen. Erstens bringt sie die Mauerei der USA an einer Stelle, wo sie
wenige lesen werden und zweitens vernebelt sie die Aufnahmefähigkeit
derer, die sie lesen, durch einen Rauchschleier von
Sensationsgerüchten über Irak. „Hast du gehört, Liebling? Der
Irak steckt hinter dieser Gasfabrik in Sudan. Und wir lassen uns auch
von der UNO nichts dreinreden!“
Wäre die UNO-Geschichte an
erster Stelle gebracht worden, wäre auch die Überschrift eine andere
gewesen, zum Beispiel: